Grün reisen

Seinen ökologischen Fußabdruck kann jeder selbst bestimmen.

Verfasser: Frieder Zürcher

Deutschland ist zwar nicht mehr Reiseweltmeister wie es jahrzehntelang war, doch mit über 80 Milliarden US-Dollar Ausgaben noch ganz dicht hinter den ersten beiden Plätzen China und USA. Die Studie „Umweltbewusstsein in Deutschland“ des Umweltbundesamt bescheinigt den Menschen in Deutschland ein hohes Umweltbewusstsein. Doch für die Reiselust scheint dies nicht zu gelten. Denn nur 1% der Deutschen reist umweltbewusst. Zum einen liegt dies daran, dass die meisten Reisebüros ihre Kunden nur mangelhaft – und von sich aus schon gar nicht - über umweltverträglichere Alternativen informieren. Darüber hinaus ist es einfach die alte „Geiz-ist-geil-Mentalität“, die besonders im Tourismus sichtbar wird. Wen wundert´s, wenn beispielsweise die Fluglinien vor der Urlaubssaison mit Ramschpreisen geradezu penetrant um die Gunst der Reisenden buhlen.

Rote Karte für Flugreisen, Platzverweis vor Spielbeginn für Kreuzfahrten.

Wer vom Flughafen Stuttgart-Echterdingen nach New York fliegt, pumpt 3721 kg CO2 in die Luft. Klimaforscher haben errechnet, dass eine Gesamt-Pro-Kopf-Emission auf das Jahr bezogen maximal bei 3,5 Tonnen liegen dürfte, um nachhaltig zu sein. In Deutschland liegt der Verbrauch bei etwa 11,5 Tonnen. Noch schlimmer ist die Bilanz für das Kreuzfahrtschiff. Während beim Flugzeug die CO2-Emission pro Person und Kilometer bei 111 g liegt, beträgt sie bei einem Kreuzfahrtschiff 300 g. Schiff ahoi! Flugreisen und Kreuzschifffahrten sind wahre Klimakiller und darum die größte Umweltsünde, die Touristen begehen können. Der große Verlierer beim Kampf um Fernweh-Touristen ist das Klima! Das ist hinreichend bekannt. Dennoch nimmt diese Art des Fernreisens stetig zu. Bis 2050 soll der Flugverkehr ein Viertel der globalen Emissionen ausmachen. Urlaubsbuchungen werden an dieser enormen Steigerung einen beträchtlichen Anteil haben.

Umweltverträglich reisen

„Um das Klima zu schützen, sind nachhaltige Tourismus- und Freizeitangebote unentbehrlich“, erklärt der Vorsitzende des alternativen Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Miachael Ziesak. In einem Vortrag verwies er darauf, dass in Deutschland der Anteil der Wege für Freizeitaktivitäten und Urlaub in etwa doppelt so hoch ist wie der von Pendlern.

Auf der Suche nach dem besten Verkehrsmittel vergleicht der ökologische Verkehrsclub Deutschland im „VCD-Bahntest“ jährlich den Fernlinienbus mit der Bahn und dem Auto. In einem umfangreichen Gutachten werden dabei Zeitwerte und CO2-Werte in Geldwerte umgerechnet und zum jeweiligen Fahrpreis addiert. Auf 60% der getesteten Strecken ist die Bahn das optimale Verkehrsmittel. Der Bus liegt auf 40% der Strecken vorn, das Auto auf null Prozent. Nur hinsichtlich des Kostenfaktors ist der Fernbus besser platziert als die Bahn, die sich vor dem Auto auf mittlerer Position befindet.

Urlaub vor der Haustür

Für einen erholsamen Urlaub braucht es keine weite Reise, sondern vor allem Erlebnisse, die sich vom Alltag abheben. Dieser Urlaub kann vor der Haustür sein.

Hier einige Tipps:

Cool Camping: Björn Staschen: Cool Camping Deutschland, Haffmanns & Tolkemitt Verlag, 19,90€

Klettern im Hochseilgarten/Kletterpark: www.klettering.de, www.hochseilgarten.de

Pack die Badehose ein – die schönsten Badeseen der einzelnen Bundesländer. www.badeseen.org

Deutschland, deine Steige. Wandern macht glücklich. www.top-trails-of-germany.de und www.wanderbares-deutschland.de

Ferienprogramme der Naturfreunde „Natura Trails – Urlaub vor der Haustür“. www.naturfreunde.de

Jährlich bringt die Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. (DZT) die Broschüre „Reisen in die Naturparke Deutschlands“ heraus. Hier wird die Faszination der 29 Naturparke mit vielen Bildern und Infos zu Reisezielen dargestellt. www.naturparke.de, www.naturparkfotos.de

Vielleicht findet der Reisefreudige vor der Haustür, was er in Hawaii, in der Dominikanischen Republik, den Malediven oder auf den kanarischen Inseln zu finden glaubt.