DIE GRÜNEN IN BAD URACH, DETTINGEN, HÜLBEN, GRABENSTETTEN UND RÖMERSTEIN

Zahlenspiel 4

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(von Frieder Zürcher)

Heute geht es um Wasser und Gemüse, um Fleisch und Landwirtschaft. Über allem aber schwebt das Damoklesschwert eines gigantischen Ressourcenverbrauchs.

45 Milliarden

Die Balance zwischen dem menschlichen Bedarf an Ressourcen und der Fähigkeit des Ökosystems, sich selbst zu regenerieren, ist spätestens in den ersten Jahren der 1970er aus dem Gleichgewicht geraten. Daher gilt das Jahr 1970 als Referenzjahr. In diesem Jahr lag der globale Ressourcenverbrauch bei 45 Milliarden Tonnen. Um unabsehbare Risiken für die Menschheit zu auszuschließen, sollte dieser globale Materialverbrauch nicht überschritten werden. (Quelle: Jill Jäger, Ines Omann, Fritz Hinterberger: „Was verträgt unsere Erde noch“, herausgegeben in „Mut zur Nachhaltigkeit“, Fischer Verlag, 2016)

250-300 Milliarden

Bereits im Jahre 2013 lag der global genutzte Ressourcenverbrauch bei 135 Milliarden Tonnen. Dabei liegt Deutschland auf Platz drei der Weltrangliste. Würde die Weltwirtschaft weiter so rasant wachsen wie bisher und berücksichtigt man zugleich den Anstieg der Weltbevölkerung, könnte der globale Materialverbrauch auf 250 bis 300 Milliarden Tonnen im Jahr 2050 ansteigen. (Quelle: ebd.)

Faktor 10

Unter Berücksichtigung des Wachstums der Weltbevölkerung und der Weltwirtschaft ist ein globales ökologisches Gleichgewicht dauerhaft nur herzustellen, wenn eine Reduktion des Ressourcenverbrauchs um 90% erreicht wird. Es bleibt ein Zehntel des gegenwärtigen Materialverbrauchs, weshalb man vom „Faktor 10“ spricht. (Quelle: Friedrich Schmidt-Bleek: „They can´t put it back, Ressourcenwende“, herausgegeben in „Mut zur Nachhaltigkeit“, Fischer Verlag, 2016)

Wenn wir so weiterleben, dann führen wir die Erde an den Rand der Apokalypse!“ Gerd Müller, Bundesminister (Wirtschaftliche Zusammenarbeit / Entwicklung) SÜDWESTPRESSE, 15.07.2017.

8600

Der real wahrnehmbare Wasserverbrauch, ablesbar an der Wasseruhr, ist der geringste Teil des Wasserverbrauchs. Die Rede ist vom sogenannten „virtuellen Wasser“, der unsichtbare Rucksack, der sich hinter jedem Gebrauchsgegenstand, jedem Flug oder jeder Dienstleistung verbirgt. Um ein Auto herzustellen, werden 300.000 Liter Wasser benötigt, für ein Smartphone sind es 70 Liter. So verbraucht jeder Mensch durchschnittlich 8600 Badewannenfüllung im Jahr… (Quelle: GEO Themenlexion Band 1, Unsere Erde)

100-150 Millionen

… Ein verschwindend kleiner Teil von 3,6 % dieser Badewannenfüllungen fließt in den häuslichen Gebrauch. Wer aber wirklich Wasser sparen will, der schaut auf das Herkunftsland seiner Zucchini oder Tomate. Im spanischen Andalusien liegen riesige Flächen komplett unter Plastikfolien. Gurken, Tomaten, Paprika, Zucchini usw. werden in fünfmaliger Ernte pro Jahr aus dem erschöpften Boden gepresst. Doch der Preis ist hoch: Von Jahr zu Jahr sinkt der Grundwasserspegel weiter ab. Experten schlagen Alarm und befürchten, dass in Teilen des Mittelmeerraums die Landwirtschaft stirbt. 400.000 Tonnen aus der Region Almeria landen in Deutschland. Und damit landen 100-150 Millionen Liter virtuelles Wasser aus einer der wasserärmsten Regionen Spaniens im wasserreichen Deutschland. Der Trinkwasserbedarf einer Stadt wie Freiburg mit 200.000 Einwohnern liegt bei 15 Millionen Kubikmeter pro Jahr. (Quelle: Ak Wasser im BBU: Virtuelles Wasser)

Originalton SWR-1, 06.02.2017, 12.30 Uhr: „… Die Grundwasserstände in Baden-Württemberg sind so tief wie seit 100 Jahren nicht mehr! Die Trinkwasserversorgung ist aber derzeit noch nicht in Gefahr.“

15.000

Sommerzeit ist Grillzeit. Wer ahnt aber, dass sich hinter dem Verzehr von einem Kilogramm Rindfleisch ein unsichtbarer Rucksack von 15.000 Liter virtuellem Wasser verbirgt? 88 Kilogramm Fleisch verzehrt der Deutsche im Jahr. Seit 1950 hat sich der Fleischkonsum hierzulande verdoppelt. Als gesundes Maß werden 300-600 Gramm pro Woche empfohlen; dies entspricht einem Jahresverbrauch von ca. 15 bis 31 Kilogramm pro Kopf. Um den aktuellen Bedarf zu decken, werden jährlich 120.000 Quadratkilometer tropischer Regenwald unwiederbringlich vernichtet. Die Flächen werden zum Anbau von Sojabohnen benötigt, die als Futter in europäischen Ställen landen. Die Böden aber laugen schnell aus und werden unfruchtbar. (Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung sowie wwf: Faszination Regenwald)

70 Milliarden US-Dollar

Auf eine ausbeuterische Haltung der Europäischen Union und auch Deutschlands gegenüber dem afrikanischen Kontinent macht die UN-Welternährungsorganisation FAO aufmerksam: „Viele Länder südlich der Sahara sind potenzielle Kornkammern“. Doch während die Flächen brachliegen, müssen rund 80% (entsprechen 70 Mrd. US-Dollar) der Lebensmittel Afrikas importiert werden. Ein großer Teil davon kommt aus der Europäischen Union, wo hohe Subventionen dazu beitragen, dass Landwirte zu Preisen produzieren, die nicht einmal die Kosten decken würden. Dazu kommen hohe EU-Importzölle auf verarbeitete Lebensmittel, die die afrikanischen Landwirte zwingen, ihre Produkte unverarbeitet und damit deutlich billiger zu verschiffen. Das habe laut FAO dazu geführt, dass Deutschland 2014 mit dem Re-Export gerösteter Kaffeebohnen mehr als 1,5 Mal so viel eingenommen habe wie der Großproduzent Afrika mit der Ausfuhr von Kaffee. Freihandelsabkommen und ein gnadenloser Egoismus haben zu solchen Ungerechtigkeiten geführt. (Quelle: dpa/SÜDWESTPRESSE, Kristin Palitza)

Dies macht deutlich: Die Reichtümer der Industrieländer mit ihren üppig gefüllten Tellern ist meist nicht gerecht erwirtschaftet. Ob er teilhat an der Ausbeutung der Entwicklungsländer, entscheidet der Verbraucher aber durch sein individuelles (Einkaufs-) Verhalten selbst. Ungerechte Handelsabkommen und Zölle, Massentierhaltung und Erzeugung von Lebensmitteln unter marktwirtschaftlichen Bedingungen haben den materiellen und vor allem den ideellen Wert von Lebensmitteln sinken lassen. Die Folge: Rund ein Drittel der globalen Jahresproduktion an Lebensmitteln schafft es nicht auf den Teller. Aussortiert auf dem Acker oder wegen kleiner Schönheitsfehler im Supermarkt oder wegen überzogenem Haltbarkeitsdatum in der Küche des Verbrauchers. 82 Kilo Lebensmittel wirft jeder Deutsche im Schnitt jährlich weg. Wenn alles zu jeder Zeit erhältlich ist, wird das Kostbare zur Selbstverständlichkeit; Achtsamkeit und Wertschätzung werden zu Fremdwörtern. Womit der Warenkorb gefüllt wird und unter welchen oft unmenschlichen Bedingungen die längst selbstverständlich gewordenen kulinarischen Genüsse den Weg in die häusliche Küche finden, sollte viel mehr Gegenstand der Erziehungs- und Bildungsarbeit sein.

Spanische Zucchini? Kiwis aus Neuseeland? Äpfel im Mai, Orangen im Juli? Täglich Fleisch oder nur ein Sonntagsbraten? Die Verantwortung liegt beim einzelnen Verbraucher. Es liegt entscheidend in seiner Hand, ob ungerechte Bedingungen durch gedankenlosen Verzehr von Lebensmitteln gestützt werden. (Quelle: BMELV / www.zugutfuerdietonne.de sowie Thurn, Valentin: TASTE THE WASTE, (Film)

Originalton-SWR-1: „Heute ist wieder SUPER-SAMSTAG bei LIDL. Das halbe Kilo Hackfleisch für nur 1,99 €“.

Lidl lohnt sich?